Geben Symptome und Beschwerden Anlass zu der Vermutung, dass ein Hypophysentumor vorliegt, führt der Endokrinologe Untersuchungen der möglichen betroffenen Hormonsysteme durch. Neben verschiedenen allgemeinen Laborbestimmungen von Hormonen in Blut und Urin gibt es weitere spezielle Laboruntersuchungen nach Stimulation oder Hemmung des hormonellen Regelkreises durch geeignete Substanzen. Diese nennt man endokrinologische Funktionstests.
Regelung der Hormonausschüttung
Hormone werden von den hormonproduzierenden Drüsen des Körpers wie der Hypophyse ins Blut abgegeben. Sie entfalten ihre Wirkung
auf die Zielorgane über spezifische Bindungsstellen, den Rezeptoren. Ähnlich einem Raumthermostat, der die Zimmertemperatur selbsttätig regelt, steuern sie die Abgabe der jeweils benötigten Menge an Hormonen, um den geforderten Stoffwechselprozess zu aktivieren oder zu hemmen.
Die wechselseitige Abhängigkeit der Regelsysteme sei am Beispiel der Steuerung der Schilddrüsenhormonfreisetzung deutlich gemacht.
Von der Hypophyse ausgeschüttetes TSH stimuliert über die spezifischen TSH-Rezeptoren der Schilddrüse die Freisetzung der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin. Diese hemmen ihrerseits die hypothalamische TRH-Freisetzung und direkt hypophysär TSH und vermindern so die TSH-Ausschüttung. Ähnliche Regelkreise existieren für die anderen Steuersysteme der Hypophyse.
Da die Hypophyse all ihre Hormone nicht mit einer konstanten Konzentration abgibt, sondern die Hormonspiegel im Blut über die Zeit stark schwanken, reicht die einfache Bestimmung des Hormonspiegels zum Teil nicht aus. Die Funktion der Hypophyse muss dann durch geeignete Funktionstests, die den Regelkreis entweder stimulieren oder hemmen, genauer überprüft werden.
Stimulations- und Hemmtests
Für die Definition der meisten Formen einer hypothalamisch-hypophysären Insuffizienz ist eine Bestimmung der basalen Hormonspiegel, die heute mit hoher Präzision gemessen werden können, ausreichend.
Die Messung der Hormonspiegel im Blut, auch Basalwerte genannt,
ist allerdings nicht immer aussagekräftig. Viele Hormone werden in Sekretionspulsen ausgeschüttet und zusätzlich wird die Produktion durch äußere Faktoren beeinflusst. Um dieses Problem zu umgehen, müssen im Einzelfall Stimulationstests eingesetzt werden, die insbesondere bei Hormonmangel durch direkte Stimulation der Drüse prüfen, ob ausreichende Mengen ausgeschüttet werden können. Dabei werden Untersuchungen von Hypothalamus und Hypophyse unterschieden.
So wird ein hormonelles Defizit der hypothalamischen Ebene zugeschrieben, wenn im Test nach Aktivierung des Hypothalamus eine entsprechende Hormonantwort ausbleibt. Dagegen spricht ein Ausbleiben der Antwort bei direkter hypophysärer Stimulation für einen Ausfall auf hypophysärer Ebene.
Im Falle einer Fehlausschüttung einzelner Hormone der Hypophyse durch einen hormon- produzierenden Tumor der Hypophyse kann umgekehrt der Regelkreis getestet werden, indem von außen meist in Form von Tabletten Hormone der Zielorgane gegeben werden. Diese führen in der normalen Situation zu einer Unterdrückung der Freisetzung der hypophysären Hormone, während dies beim hormonproduzierenden Tumor erst mit wesentlich höheren Dosen erreicht werden kann.
Dieses Prinzip wird genutzt, um bei einer Mehrbildung einzelner Hypophysenhormone, einen Tumor von zum Beispiel einer Stressreaktion abzugrenzen.